Die Entwicklung des NIG aus der Praxis

Portrait Dr. Eva Madelung

von Dr. Eva Madelung

Die erste Erfahrung war die lange zurückliegende Therapie mit einer selbstmordgefährdeten Klientin, der das Malen zum wichtigsten Ausdrucksmittel und schließlich zu einer Ressource wurde.

Dazu kam das Kennenlernen der Arbeit mit Bodenankern bei Robert Dilts. Er beschreibt therapierelevante Vorstellungen wie etwa die Zielvorstellung oder die Vorstellung der Gegenwart mit ihrem Problem nicht nur sprachlich, wie im NLP allgemein üblich, sondern legt sie zusätzlich mittels DIN A4 Blättern auf dem Boden aus. Auf diese Weise kann sich der Klient zwischen seinen Vorstellungen körperlich hin und her bewegen. Dabei kommt „der Körper als Quelle der Intuition“ ins Spiel.

In meiner Praxis führte das schnell zur Benutzung von Symbolen wie Steinen, Samen und farbigen Filzen statt leerer Blätter. Bei einer Demonstration der Arbeit mit der Lebenslinie in einer Gruppe kamen dann die Skizzen auf DIN A4 Blättern hinzu. Die gute Wirkung dieses aus der Situation geborenen Einfalls brachte mich dazu, das Selbst-Gestalten von Bodenankern in meine Einzelpraxis zu übernehmen.

Auch für das Familien-Stellen in der Einzeltherapie, für das ich bisher Kissen benutzt hatte, erwies sich das Auslegen mit selbstgestalteten Blättern oder verschiedenfarbigen Filzflecken als sinnvoll. Vor allem, weil das konkrete „Im-Bilde-Sein“ und das Bewegen zwischen den Bildern über eine präzise Körperwahrnehmung authentischere Rückmeldungen ermöglicht.

Aus diesen Erfahrungen entwickelte ich Anfang der 90er Jahre das „Neuro-Imaginative Gestalten“. Die Bezeichnung ist ein Hinweis, dass diese Methode eine Variante des „Neuro-Linguistischen Programmierens“ ist. Das Wort: „Neuro“ bezieht sich auf die Tatsache, dass es sich bei dieser Art von Umgang mit inneren Bildern, genauso wie im NLP, um neuro-psychologisch bedingte Wirkungen handelt.

„Linguistisch“ durch „imaginativ“ zu ersetzen lag nahe, da die Aufmerksamkeit auf die Sprache als Ausdrucksmittel, die im NLP eine große Rolle spielt, hier zur Aufmerksamkeit auf den Ausdruck durch Bild-Gestaltungen hin verschoben wird. Im NLP werden Vorstellungen sprachlich beschrieben, im NIG kommt zur sprachlichen Beschreibung die bildliche Darstellung hinzu. Gemeinsam ist beiden Vorgehensweisen jedoch die Aufmerksamkeit auf unbewusste körperliche Signale. Im NIG wird die Aufmerksamkeit außerdem auf die in der gestaltenden Darstellung enthaltenen unbewussten Signale gerichtet.

Den Begriff „Programmieren“ durch „Gestalten“ zu ersetzen, war mir besonders wichtig, da ich mich mit der Programmier-Metapher, die ja nur die halbe Wahrheit trifft, nie recht wohl gefühlt habe. Sie impliziert, dass das menschliche Gehirn vollständig von außen „konditioniert“ wird und dass ein Therapeut einen Klienten ohne dessen Zutun „gesundprogrammieren“ kann.

Die Metapher eines „inneren Künstlers“, der aus inneren und äußeren Bedingungen die uns gemäße „Lebensgestalt“ hervortreten lässt, entsprach vielmehr meinen Erfahrungen mit mir selbst und in meiner therapeutischen Praxis.

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